‚Verbundenheit‘ –Nutzung dreier kommunaler Friedhöfe als artenreicher Lebensraum im Biotopverbund

Kommune Gemeinde Windeck
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Kontakt Isabell Farian
Gemeindeverwaltung Windeck
Kfm. Gebäudemanagement, Liegenschaften, Friedhöfe, Controlling
Tel.: 02292 / 601-227
E-Mail: isabell.farian@gemeinde-windeck.de
Kooperationspartner Bienenzuchtverein Windeck e.V.
Agenda naturnaher Garten Windeck
Grundschule Windeck-Leuscheid
Förderschule Windeck-Rossel
Biologische Station RSK
Bergischer Naturschutzverein (RBN Windeck)
Laufzeit November 2020 – Mai 2028
(Fortführung nach 2028 beabsichtigt)

 

KURZBESCHREIBUNG

Friedhöfe sind weit mehr als Orte des Abschieds. Mit ihren parkähnlichen Strukturen sind Friedhöfe – insbesondere in Städten – wichtige Bestandteile des öffentlichen Grüns und bieten Raum für Erholung und Naturerfahrung. Mit einem Wechsel aus Alleen, Hecken, offenen Rasenflächen, kleinteiligen Pflanzungen und verwitterten Mauern sind sie ein Ort der Entschleunigung und werden von vielen erholungssuchenden Bürgerinnen und Bürgern gerne für Spaziergänge genutzt. Darüber hinaus stellen insbesondere naturnah gestaltete Friedhöfe mit altem Baumbestand wertvolle Refugien für Pflanzen- und Tiere dar.

‚Verbundenheit‘ – Nutzung dreier kommunaler Friedhöfe als artenreicher Lebensraum im Biotopverbund

Auch die Gemeinde Windeck hat das Potenzial ihrer Friedhofsflächen als Naherholungsraum und zur Förderung der biologischen Vielfalt erkannt und die drei großflächigen kommunalen Friedhöfe Herchen, Stromberg und Leuscheid im Rahmen des Zukunftsprojekts „Verbundenheit“ zu artenreichen Biotopen aufwertet. Darüber hinaus wurde ein niederschwelliges Bildungsangebot geschaffen, welches das Bewusstsein für die lokale Artenvielfalt stärken soll. Jedem der drei Friedhöfe wurde eines der Grundmotive Wald, Gewässer oder kleinbäuerliche Kulturlandschaft zugeordnet und je nach Themenschwerpunkt unterschiedliche biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt.

Unter dem Grundmotiv Wald ergänzen auf dem Friedhof Herrchen zahlreiche neu gepflanzte Laubbäume und Blühsträucher den bereits vorhandenen Gehölzbestand. Neu geschaffene Totholzstrukturen aus Holz- und Reisighaufen bieten wertvolle Nahrungs- und Nisthabitate für holzbewohnende Insektenarten wie den Moschusbock (Aromia moschata), die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) oder die Holzameise (Lasius fuliginosus). Eine alte abgestorbene Eiche wurde als stehendes Totholz erhalten und dient nun als Ansitz für Greif- oder Nachtvögel. Risse und Spalten in der Rinde des toten Baums bilden wertvolle Fledermausquartiere.

Im Mittelpunkt des Friedhofs Stromberg stehen zwei temporäre, durch Regenwasser gespeiste Feuchtbiotope, in denen sich besonders wassergebundene Insekten wie Libellen (Odonata), Köcherfliegen (Trichoptera) und Springschwänze (Collembola) oder auch Amphibien wie Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Kammmolch (Triturus cristatus) wohlfühlen. Passend zum Grundmotiv Gewässer ergänzen Kopfweiden als typische Gehölze feuchter Standorte, die neu geschaffenen Biotopstrukturen. Großflächige Blühwiesen und Wildsträucher erweitern das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel, Lesesteinhaufen schaffen darüber hinaus Rückzugs- und Überwinterungsquartiere für zahlreiche Reptilien.

Alte Obstsorten, Beerensträucher, Heil- und Gewürzkräuter sowie historische Getreidesorten wie Buchweizen (Fagopyrum esculentum) spiegeln das Thema kleinbäuerliche Kulturlandschaft auf dem Friedhof Leuscheid wider. Ein vom Bienenzuchtverein Windeck e.V. angelegter Bienenlehrpfad mit Schaukasten, Info-Tafeln und einem Bienenstock gibt Einblicke in das Leben der Honigbienen (Apis mellifera) und ihrer wilden Verwandten. Auf großflächig angelegten Krokusfeldern und Blühwiesen finden Bienen, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten von Frühjahr bis Herbst ein pollen- und nektarreiches Buffet.

Friedhofsübergreifend wurden farbenfrohe, durch Schülerinnen und Schüler der Förderschule Windeck-Rossel gefertigte Insektennisthilfen installiert. Detailreich gestaltete Informationstafeln geben Auskunft über die heimische Flora und Fauna sowie die neu angelegten Biotope. Kunstobjekte aus Holz und Cortenstahl ergänzen die neu geschaffenen Strukturen und laden die Besucherinnen und Besucher zum Entdecken und Staunen ein.

 

Auszeichnung der Gemeinde Windeck