Pellworm – Auf dem Weg zur insektenfreundlichen Insel

Kommune Gemeinde Pellworm
Bundesland Schleswig-Holstein
Kontakt
Projektmanagement der Gemeinde Pellworm
Tel.: 04844 / 189-30
E-Mail: projektmanagement@gemeinde-pellworm.de
Kooperationspartner Biosphärengruppe und Insektenkundler
Landfrauen-Verein
Hegering
Deutscher Verband für Landschaftspflege Schleswig-Holstein
Lokale Aktion Mittleres Nordfriesland
Laufzeit November 2020 – Mai 2028
(Fortführung nach 2028 beabsichtigt)

 

INFOMATERIAL

Flyer Naturnaher Garten

Flyer Stauden

Infotafel Wildstauden

 

KURZBESCHREIBUNG

In den vergangenen Jahrzehnten haben sowohl die Vielfalt der Insekten als auch deren Biomasse in Deutschland, aber auch weltweit, stark abgenommen. Gründe hierfür sind neben dem Einsatz von Pestiziden vor allem die Zerstörung und Veränderung von Lebensräumen. Die Lebensweisen der Insekten und damit auch die Ansprüche an ihre Lebensräume sind vielfältig. So sind die Ausstattung und die Vernetzung von Habitaten, die Art der Nahrung oder das Kleinklima von großer Bedeutung. Zudem können die Lebensraumansprüche je nach Entwicklungsstadium oder Jahreszeit variieren. Folglich gilt es, den Verlust an Lebensräumen zu stoppen, vielfältige Habitate und Biotopverbünde zu erhalten bzw. neu zu schaffen sowie die Qualität der Lebensräume für Insekten dauerhaft zu verbessern. In Städten und Gemeinden finden sich viele potenzielle Insektenlebensräume, etwa auf Grün- und Brachflächen, an Gehölzen sowie in Gewässern und Gärten. Durch eine naturnahe Gestaltung, Bewirtschaftung und Pflege dieser Flächen haben sowohl Kommunen als auch Privatpersonen einen erheblichen Einfluss darauf, diese Lebensräume insektenfreundlich zu gestalten und so zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt und insbesondere von Insekten beizutragen.

„Pellworm – Auf dem Weg zur insektenfreundlichen Insel“

Dieses Potential hat auch die nordfriesische Inselgemeinde Pellworm erkannt und widmet sich in ihrem Zukunftsprojekt der naturnahen Gestaltung kommunaler Grünflächen sowie umfangeichen Umweltbildungsmaßnahmen, um so dem Insektenrückgang entgegenzuwirken.

Aufgrund der Insellage ist die Bewahrung einer intakten Insektenwelt auf Pellworm von großer Bedeutung. Neben der Bestäubungsleistung spielen Insekten insbesondere als essentielle Nahrungsgrundlage in der Kükenaufzucht der hier noch zahlreich brütenden, aber stark gefährdeten Kiebitze, Uferschnepfen, Säbelschnäbler und Austernfischer eine wichtige Rolle.

Mit Unterstützung des Bauhofs legten zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Wildstaudenbeete und Blühwiesen als pollen- und nektarreiche Insektenhabitate an. Frühblühende Zwiebelpflanzen wie Krokusse und Traubenhyazinthen entlang der Pellwormer Straßen dienen Wildbienen und anderen Insekten im Frühjahr als erste wichtige Nahrungsquelle und begrüßen mit ihren Blüten die ersten Touristinnen und Touristen der Saison. Obstbaumpflanzungen erweitern das Nahrungsangebot für eine Vielzahl blütenbesuchender Insekten.

Eine Seminarreihe mit (Online-)Vorträgen und Exkursionen bot interessierten Personen darüber hinaus Einblicke in die faszinierende Welt der Insekten und vermittelte ökologische Zusammenhänge unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Marschregion. In Vorträgen wie „Ein Garten für Insekten“ oder „Mien Goorn op Pellworm“ stand wiederum die Gestaltung naturnaher und insektenfreundlicher Gärten im Mittelpunkt. In verschiedenen Workshops konnte die Theorie anschließend in die Praxis umgesetzt werden. Vertreterinnen und Vertreter von Landschaftsgärtnereien und Naturschutzverbänden führten praxisorientiert in eine naturnahe und insektenfreundliche Gartengestaltung ein und vermittelten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern u.a. den fachgerechten Umgang mit der Sense, Wissen zu insektenfreundlichen und standortangepassten Staudenpflanzungen sowie Grundlagen zur Anlage und Pflege von Streuobstwiesen. Im Anschluss an die Veranstaltungen wurden Saatgut und Staudenpakete an die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer ausgegeben, sodass das neuerworbene Wissen direkt im heimischen Garten angewendet werden konnte. Mehrere zentral gelegene und öffentlich zugängliche Schaugärten, u.a. im Mensagarten der offenen Ganztagsschule, bieten darüber hinaus Inspiration für eine insektenfreundliche Gartengestaltung und regen zur Nachahmung an.

Im Rahmen einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit wurde regelmäßig im Heimatblatt „De Pellwormer“ über das Zukunftsprojekt berichtet und Infotafeln zu heimischen Insekten und deren Nahrungspflanzen aufgestellt. Zudem wurden besonders insektenfreundlich gestaltete Privatgärten und Grünflächen als „Lebensraum für Insekten“ gekennzeichnet.

Nicht nur die Pellwormer Bürgerinnen und Bürger zeigten großes Interesse am Zukunftsprojekt und leisteten durch ihr ehrenamtliches Engagement einen bedeutenden Beitrag für die Gemeinde Pellworm auf ihrem Weg zur insektenfreundlichen Insel – auch die gut 25.000 Touristinnen und Touristen, welche jedes Jahr die Insel besuchen, nehmen eine Vielzahl neu gewonnener Eindrücke und Anregungen zum Schutz von Insekten mit in ihre Heimatorte.

 

Auszeichnung der Gemeinde Pellworm