Libellenflugplatz Steuerwald – schwirrendes Leben in bunter Vielfalt

Kommune Stadt Hildesheim
Bundesland Niedersachsen
Kontakt Sören Kratzberg
Bereichsleitung Grünflächenplanung und -unterhaltung
Tel.: 05121 / 301 - 3530
E-Mail: s.kratzberg@stadt-hildesheim.de

Ralf Severith
Fachdienstleiter Baumpflege und Spielplatzkontrolle
Tel.: 05121 / 301 - 3545
E-Mail: s.kratzberg@stadt-hildesheim.de

Jens Falke
Fachdienstleiter Grünflächen- und Gewässerunterhaltung
Tel.: 05121 / 301 - 3538
E-Mail: j.falke@stadt-hildesheim.de
Kooperationspartner Ornithologischer Verein zu Hildesheim e.V.
BUND Kreisgruppe Hildesheim
Laufzeit November 2020 – November 2027
(Fortführung nach 2027 beabsichtigt)

KURZBESCHREIBUNG

Auen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Als Übergangsbereich zwischen Wasser und Land unterliegen sie einem ständigen Wandel und beherbergen eine besonders große Arten- und Lebensraumvielfalt. Überflutungsdynamik und Hochwasserereignisse sind dabei die maßgeblichen Steuergrößen, welche das natürliche Habitatmosaik für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten formen. So sind beispielsweise rund 2.600 der in Deutschland vorkommenden Insektenarten, darunter unter anderem ca. 80 Libellenarten, an Gewässerlebensräume gebunden. Viele der Tiere verbringen das Larvenstadium im Wasser, während die Fortpflanzung der adulten Insekten in den Ufer- und Auenbereichen stattfindet. Neben ihrer Funktion als Lebensraum erbringen intakte Auenökosysteme darüber hinaus eine große Bandbreite unterschiedlicher Ökosystemleistungen. Sie bieten natürlichen Hochwasserschutz, halten Nähr- und Schadstoffe zurück und dienen als Raum für Sport und Erholung. Dennoch wurden in den letzten Jahrhunderten viele Auen durch Begradigung, Kanalisierung, Regulierung, Staustufenbau sowie Eindeichung von den Flüssen getrennt und stehen somit nicht mehr als Überflutungs- und Lebensräume zur Verfügung.

Libellenflugplatz Steuerwald – schwirrendes Leben in bunter Vielfalt

Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt Hildesheim in ihrem Zukunftsprojekt der Renaturierung des weitgehend trockengefallenen Steuerwalder Mühlengrabens, einem verlandeten Seitenarm der Innerste, verschrieben. Neben der Stärkung des Auenbiotopverbunds und Schaffung wertvoller Retentionsflächen lag ein weiterer Projektschwerpunkt auf der Entwicklung eines stadtnahen Naturerfahrungs- und Naherholungsraums. Als Symbolart des Renaturierungsprojektes steht die rund um das Gut Steuerwald vorkommende Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) stellvertretend für eine Vielzahl auentypischer Pflanzen- und Tierarten.

Aufgrund der Nähe zu einem Natura 2000-Gebiet besitzt die Innerste eine große Bedeutung als Trittsteinbiotop im Auenbiotopverbund. Durch die Wiederanbindung des Altarms, einer Entlandung auf einer Länge von ca. 800 Metern sowie partiellen Aufweitungen und Vertiefungen des Flussbettes konnte der Lebensraum für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten wiederhergestellt werden. Zur Vermeidung von Flurschäden wurden die anfallenden Aushub- und Reprofilierungsarbeiten mithilfe eines Schreit- sowie eines Schwimmbaggers vorgenommen.

Ein neu angelegter Verweilplatz lädt Besucherinnen und Besucher zum Entspannen und zur Erkundung des renaturierten Gewässers ein. Zwei Schautafeln informieren zu den Schwerpunktthemen „Wasserburg im Wandel der Zeiten“ und „Lebensraum von Biber und Libellen“. Ein vielfältiges Exkursionsangebot stellt darüber hinaus eine wertvolle Ergänzung zu den lokalen Umweltbildungsangeboten dar.

Im Rahmen eines projektbegleitenden Monitorings wird bis 2026 die Entwicklung der Gewässerstrukturgüte, der Insekten-, Vogel- und Fischfauna sowie der auentypischen Vegetation erfasst. Um die renaturierten Projektflächen dauerhaft als wertvolles Habitat und Naherholungsraum zu erhalten, wird im regelmäßigen Abstand von mehreren Jahren eine Entschlammung des nördlichen Abschnitts des Mühlengrabens durchgeführt werden.

 

Auszeichnung der Stadt Hildesheim