"Dresdner Wildbienengärten" Gestaltung insektenfreundlicher Lebensräume in Dresdner Kleingartenanlagen durch aktive bürgerschaftliche Teilhabe

Kommune Landeshauptstadt Dresden
Bundesland Sachsen
Kontakt Anne Bartuschka
Umweltamt
Tel.: 0351 / 4886112
E-Mail: abartuschka@dresden.de
Kooperationspartner Wildbienenspezialistin Frau Mandy Fritzsche (Beraterin im Imkerverein Dresden)
BUND Regionalgruppe Dresden
Laufzeit November 2020 – Mai 2028
(Fortführung nach 2028 beabsichtigt)

INFOMATERIAL

Website der Landeshauptstadt Dresden: Dresdner Wildbienengärten

Handbuch Insektenfreundliche Gartengestaltung

 

KURZBESCHREIBUNG

Kleingartenanlagen sind grüne Inseln inmitten der Stadt. Als Teil der Stadtnatur sind sie Orte des Austausches und der Erholung, fördern die Identifikation mit dem eigenen Viertel und tragen zu mehr Umweltgerechtigkeit bei. Darüber hinaus stellen Kleingärten wertvolle Rückzugsorte für zahlreiche Pflanzen und Tiere dar und bilden als Trittsteinbiotope wichtige Verbindungselemente zwischen den städtischen Grünflächen. Naturnah gestaltet bieten sie Lebensraum und Nahrungsangebot für eine Vielzahl von Insekten wie Wildbienen oder Schmetterlinge. Somit fördern Kleingärten nicht nur die Lebensqualität in dicht bebauten Städten, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Im Gegenzug erweisen sich viele der in Kleingärten vorkommenden Insekten als gern gesehene Nützlinge, indem sie sich als Blütenbestäuber, Schädlingsvertilger und Bodenverbesserer betätigen.

"Dresdner Wildbienengärten" Gestaltung insektenfreundlicher Lebensräume in Dresdner Kleingartenanlagen durch aktive bürgerschaftliche Teilhabe

Auch die Landeshauptstadt Dresden hat das Potenzial urbaner Kleingartenanlagen erkannt und widmete sich mit ihrem Zukunftsprojekt der Förderung insektenfreundlicher Kleingärten. Insbesondere für seltene Solitärbienen sollten Lebensräume entwickelt und so deren Etablierung und Verbreitung im Stadtgebiet gefördert werden. Derzeit gibt es in Dresden 359 Kleingartenvereine, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen und ca. 800 ha Fläche bewirtschaften. Diese Kleingartenanlagen besitzen zusammen mit anderen städtischen Grünstrukturen ein großes Potenzial, ein Netzwerk aus Trittsteinbiotopen für Wildbienen und weitere Begleitarten entstehen zu lassen.

Mit einem umfangreichen Informations- und Beratungsangebot sollten Dresdner Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sowie weitere interessierte Personen motiviert werden, ihre Gärten mit einfachen Maßnahmen wildbienenfreundlich zu gestalten. Insgesamt 23 Informationsveranstaltungen zum Wildbienenschutz fanden in den Vereinshäusern der kooperierenden Kleingartenvereine statt. Die Veranstaltungen bestanden jeweils aus einem theoretischen, vielfältig illustrierten Vortragsteil, gefolgt von einer Begehung der Kleingartenanlagen. Insgesamt 220 interessierte Personen nahmen in der Gartensaison 2021 und 2022 an diesen Veranstaltungen teil und erhielten neben einer Einführung in Lebensweise, Vorkommen und Bedeutung von Wildbienen zahlreiche praxisnahe Tipps zum Wildbienenschutz.

Des Weiteren wurden das im Rahmen des Zukunftsprojektes erstellte „Handbuch für eine insektenfreundliche Gartengestaltung“ sowie Tütchen mit gebietseigenem Saatgut an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltungen ausgegeben. Das Handbuch erläutert die Nützlichkeit von Wildbienen als effektive Bestäuber und natürliche Schädlingsbekämpfer. Zudem sind zahlreiche Beispiele enthalten, wie in jedem Garten ein Zuhause für Wildbienen geschaffen werden kann.

Als weiterer Projektbaustein wurden unter Anleitung des BUND Dresden insgesamt neun Wildbienengärten in acht Kleingartenvereinen mit einer Flächengröße von 150 m² bis 650 m² angelegt. Neben der Bereitstellung von Pflanz- und Nistmaterialien erhielten die Vereinsmitglieder fachliche Unterstützung bei der Anlage insektenfreundlicher Blühflächen und Habitatstrukturen.

Zusätzlich zur Aussaat von Regiosaatgut wurden Insektennährgehölze wie Schlehe (Prunus spinosa), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) oder Sanddorn (Hippophae rhamnoides) sowie zahlreiche Nektar und Pollen bildende Stauden wie Wilde Karde (Dipsacus fullonum) oder Wiesen-Knautie (Knautia arvensis) gepflanzt. So sollten ein möglichst ganzjähriges Nahrungsangebot für Wildbienen sowie langanhaltende und ästhetische Blühaspekte geschaffen werden. Als zusätzliche Habitatstrukturen wurden Totholz- bzw. Steinpyramiden errichtet und insgesamt vier Sandarien angelegt. Jede der Projektflächen wurde mit ansprechend gestalteten Informationstafeln bestückt, die weiterführende Inhalte zu Wildbienen vermitteln.

Projektbegleitend wurde von 2021 bis 2023 auf drei ausgewählten Flächen in den Kleingartenvereinen KGV Prießnitzaue, KGV Sommerfrische und KGV Freier Blick ein Wildbienenmonitoring durchgeführt. Jeweils im April, Mai und Juli kartierte eine Wildbienenexpertin des Imkervereins Dresden die auf den Flächen vorkommenden Solitärbienen, wobei durchschnittlich 60 verschiedene Arten wie u.a. die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), die Rotklee-Sandbiene (Andrena labialis) oder die Gewöhnliche Natternkopfbiene (Hoplitis adunca) in den Gärten nachgewiesen werden konnten.

Dies zeigt, dass die durchaus unterschiedlichen Anforderungen an einen Kleingarten wie die Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen und die Erholungsfunktion mit dem Schutz von Wildbienen und der Förderung biologischer Vielfalt in Einklang gebracht werden können.

Die naturnah gestalteten Wildbienengärten sollen zukünftig eine Vorbildwirkung entfalten und zur Nachahmung anregen. Für einige Kleingartenstandorte bestehen bereits Kooperationen mit Schulklassen, welche die Wildbienengärten als Naturerfahrungsraum und für Umweltbildungsveranstaltungen nutzen.

 

Auszeichnung der Landeshauptstadt Dresden