Naturnahes Wohngebiet Woltruper Wiesen V

Kommune Stadt Bersenbrück
Bundesland Niedersachsen
Kontakt Phil Wesselkämper
Stadt Bersenbrück, Außenstellenleiter
Tel.: 05439 / 60294670
E-Mail: wesselkaemper@bersenbrueck.de
Kooperationspartner Biologische Station Haseniederung e.V.
Laufzeit November 2020 – Mai 2028
(Fortführung nach 2028 beabsichtigt)

KURZBESCHREIBUNG

Starke Versiegelung, Schottergärten, Zäune und ein Mangel an öffentlichen Grünflächen – vielerorts bleibt in Neubaugebieten das Potenzial zur Förderung von biologischer Vielfalt ungenutzt. Je nach Gesetzeslage im jeweiligen Bundesland versuchen viele Kommunen einer naturfernen Entwicklung von Neubaugebieten beispielsweise durch Verbote von Schottergärten entgegenzuwirken. Verbote allein erzielen jedoch meist nicht die erwünschte Wirkung, zumal ihre Durchsetzung mit teils großem Aufwand verbunden ist. Kommunen benötigen daher praxistauglichere Ansätze, die im Sinne einer „neuen Art des Planens und Bauens“ geeignet sind, biologische Vielfalt in Neubaugebieten von Anfang an mitzudenken und zu fördern.

Naturnahes Wohngebiet Woltruper Wiesen V

Ein Blick nach Bersenbrück in Niedersachsen ist da lohnenswert. In ihrem Zukunftsprojekt zeigt die Stadt innovative Ansätze zur Förderung von biologischer Vielfalt in Neubaugebieten. Das Konzept gilt als Blaupause für weitere Neubaugebiete in der Kommune. Die Belange von Naturschutz und Bauleitplanung werden hier von Anfang an gemeinsam gedacht und gleichermaßen in den Planungsprozess integriert. Dabei setzt die Stadt nicht nur auf Verbote, wenngleich auch Pestizide und synthetische Düngemittel zur Pflege der zukünftigen öffentlichen Grünflächen untersagt sind. Vielmehr sollen die grünen Leitlinien des Neubaugebietes schon zu Beginn von allen Bauinteressentinnen und -interessenten gemeinsam getragen und gelebt werden.

Hierfür hat die Stadt bereits zahlreiche Umweltbildungsveranstaltungen initiiert, weitere öffentliche Schulungen zur naturnahen Grünflächenpflege werden folgen. Eine Sonderausstellung bewarb den innovativen Ansatz des Baugebietes und stellte die Handlungsmöglichkeiten vor, im eigenen Garten tierische Nachbarn zu fördern. Weiterhin werden zukünftig kostenfreie, individuelle Gartenfachberatungen angeboten, sobald die Bauphase beginnt. So werden Schottergärten, Gabionen und Co. von Grund auf vermieden und müssen nicht im Nachhinein zurückgebaut werden. Ein Gartenwettbewerb sowie Zuschüsse zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen runden das Angebot ab.

Die zukünftigen Grünanlagen und Freiflächen des Baugebietes werden ebenfalls naturnah angelegt und gepflegt. Bestehende Wassergräben bleiben erhalten und neue Gräben werden durch Uferstauden und Gehölze zu wertvollen Strukturen für Vögel, Amphibien und Insekten. Durch die Anlage eines naturnahen Regenwasser-Rückhaltebeckens, welches in seiner Ausgestaltung einem Flachgewässer ähnelt, wird ebenfalls ein wertvolles Habitat z.B. für Libellen geschaffen. Feldhecken und Blühwiesen im Baugebiet verbinden diese Lebensräume miteinander und bilden für viele Arten Wanderkorridore.

Die Stadt strebt an, die Grundzüge des nachhaltigen, regenerativen Bauens sowie das Thema „Klimawandelanpassung“ in der Kommune zu verstetigen. Hierzu ist ein stetiger Austausch zwischen allen Beteiligten vorgesehen.

 

Auszeichnung der Stadt Bersenbrück